Innerer Kosmos
«cotschen-planet» ist eine Forschungsreise in ein Universum, das gleichzeitig fremd und intim wirkt. Die Arbeiten entstehen aus realen Landschaften, die durch den künstlerischen Blick in neue, planetarische Körper transformiert werden. Was ursprünglich ein Ausschnitt der Erde ist, erscheint nun als Himmelskörper: ein neuer Planet, der unter unserer Wahrnehmung verborgen lag.
Es sind innere Landschaften, projiziert auf die Aussenwelt. Die Berge, Täler, Lichtstimmungen und Farben wandeln sich zu organischen Sphären, zu embryonalen Welten, zu Erinnerungsplaneten. Die Abstraktion eröffnet nicht Distanz, sondern Nähe: Was wir sehen, sind keine fernen Galaxien, sondern vertraute Fragmente unserer eigenen Existenz.
Manchmal entstehen diese Welten, bevor ich überhaupt sehe. Wenn ich die Augen schliesse, erscheinen Farben im Inneren meines Blicks: Rotbraun, warm wie Blut unter den Lidern – darin ein kleiner Kern aus Weiss, Grün, Blau. Ich weiss nicht, ob diese Bilder von Lichtresten auf der Netzhaut stammen oder aus dem Gedächtnis des inneren Auges. Aber sie sind da, wie ein Nachhall der Welt, der weiterleuchtet, wenn das Aussen schweigt.
Damit verschieben diese Werke eine grundlegende Frage:
Ist die Welt, die wir sehen, real – oder nur eine Projektion unserer Wahrnehmung?
Die Serie transformiert fotografisches Material in ein poetisches, beinahe meditatives Bilduniversum. Jedes Werk wird einmalig im Format 1200 × 1200 mm produziert – als singuläres Objekt, analog einem Planeten, der nur einmal existiert. So wird das Bild nicht zur Reproduktion, sondern zur Entdeckung. Ein neuer Himmelskörper, der sich nur diesem einen Betrachter zeigt.
Alle Werke können dabei vierfach gedreht werden, manche sogar 360 Grad. Mit jeder Drehung verändert sich die Wahrnehmung, ohne dass sich das Werk verändert hätte – wie ein Planet, der sich nur durch unsere Perspektive bewegt.
«cotschen-planet» ist kein Blick nach aussen.
Es ist ein Blick ins Innere des Universums, das wir in uns tragen.
Erik Süsskind